ZEHN JAHRE KOMPETENZNACHWEIS KULTUR >>
Editorial

Grafik: Zehn Jahre Kompetenznachweis KulturDer Kompetenznachweis Kultur (KNK) wird zehn – ein Grund, zu feiern? Wir finden schon! Doch so überzeugend die Idee ist, so positiv das Feedback von Jugendlichen und Fachkräften auch ausfällt – eine leichte Kindheit hatte der KNK bisher nicht! Anlässlich des ersten runden Geburtstags haben wir Menschen, die den KNK in ganz unterschiedlichen Rollen begleitet haben oder dies noch tun, eingeladen, uns ihre Sicht auf seine junge Lebensgeschichte zu schildern. Ihre Beobachtungen, Praxiserfahrungen und Denkanstöße finden Sie in diesem Dossier.

Doch nochmal zurück auf Anfang: Worum geht es? – Der Kompetenznachweis Kultur ist ein Bildungspass, den Jugendliche erhalten, wenn sie sich entschieden haben, ihre kulturellen Aktivitäten näher in den Blick zu nehmen und dokumentieren zu lassen. Ein behutsames Instrument, das auf die Arbeitsweisen der kulturellen Bildungsarbeit ausgerichtet und in der Lage ist, Selbstbildungsprozesse zu unterstützen oder anzuregen. Die Vorgehensweise ist geprägt von Freiwilligkeit, Dialog und Stärkenorientierung, Selbstbestimmung und Partizipation. Der KNK sensibilisiert Jugendliche für die eigenen Stärken und gleichzeitig trägt er zur Professionalisierung der Arbeitsprozesse in der Kulturellen Bildung bei.

Die Beiträge in unserem „KNK-Jubiläumsdossier“ zeigen sehr deutlich: Die dem Verfahren innewohnenden Potenziale für die Jugendlichen sind immens wertvoll; die Fortbildung bringt erheblichen Mehrwert und zwar für Kulturpädagog*innen, Künstler*innen UND Lehrer*innen! In Anbetracht dessen macht uns und allen Beteiligten die Tatsache großen Kummer, dass finanzielle Ressourcen für die Berater*innen vor Ort und für eine strukturelle Förderung der 13 KNK-Servicestellen fehlen. Denn um den Wert des Verfahrens sowohl für Jugendliche als auch für die Qualifikation der Fachkräfte und die Praxisqualität weitertragen zu können, braucht es kontinuierliche Unterstützung. Die kann die BKJ jedoch nur leisten, wenn ihr starke Partner mit entsprechenden Ressourcen den Rücken stärken. Auch die KNK-Servicestellen bemühen sich in ihren Bundesländern seit Jahren um eine bessere Unterfütterung ihres großen, zum Teil ehrenamtlich geleisteten Engagements.

Doch auch ohne Unterstützung „von oben“ kann es gelingen, den KNK auf lokaler Ebene nachhaltig zu verankern. Das zeigen die Beispiele Hannover und Herten. Sicher müssen für jede Region, jede Stadt und für die verschiedenen Angebots-, Praxis- und Einrichtungsformen je spezifische Lösungen gefunden werden, aber diese Beispiele machen Mut: Es ist zu schaffen!

Was uns ebenfalls hoffnungsvoll stimmt: Jugendpolitisch ist der KNK jüngst wieder in den Fokus gerückt. So bezeichnen die Autor*innen der im Rahmen der Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik entstandenen Expertise „Non-formale und informelle Lernprozesse in der Kinder- und Jugendpolitik und ihre Nachweise“ den KNK als ein „besonders gutes und anspruchsvolles Beispiel“ für ein dialogisches Nachweisverfahren. Die Expertise bestätigt, dass die klare Subjektorientierung, wie sie im Kompetenznachweis Kultur beibehalten und zugleich mit Hilfe des dialogischen Verfahrens in eine kommunikative Form übertragen wurde, der Ausgangspunkt für jede nachhaltige und wirksame Form der Anerkennung non-formal erworbener Kompetenzen sein muss.

Die BKJ ist heute mehr denn je von der Kraft und dem Wert des Verfahrens überzeugt und wird weiter nach Lösungen suchen, um bessere Voraussetzung für die Verbreitung und Weiterentwicklung dieses großartigen Instrumentes zu schaffen. In diesem Sinne: Herzliche Glückwünsche an den Kompetenznachweis Kultur und an alle, die sich für ihn engagieren!

Ihre BKJ

August 2014