• Foto: BKJ
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  • Foto: Felix Mayr/Mobiler Musiktreff e. V.(MOMU)
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KOMPETENZNACHWEIS KULTUR

Ein Bildungspass für Jugendliche




NACHWEISE INTERNATIONAL >>
Der KNK und seine Kinder

Anne Sorge-Farner, Foto: Christian Herrmann/IJAB Die internationale Jugendarbeit hat den KNK ihren Anforderungen angepasst: Interkulturelle Kompetenzen sind als zusätzliche Dimension hinzugekommen, außerdem stehen zwei weitere Nachweisformate zur Verfügung. Anne Sorge-Farner, zuständige Referentin bei IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit, berichtet im Interview von den Erfahrungen mit den „Nachweisen International“.

Sie betreuen bei IJAB die Nachweise International. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zum Kompetenznachweis Kultur und wie sind die Nachweise International entstanden?

Die Nachweise International wurden zwischen 2004 und 2006 von Akteur*innen aus Verbänden, Initiativen und Organisationen der internationalen Jugendarbeit entwickelt, um Lernerfahrungen und freiwilliges Engagement Jugendlicher in der internationalen Jugendarbeit zu dokumentieren. Die Nachweise International sind ein mehrteiliges Nachweissystem. Sie belegen und dokumentieren die Teilnahme, das individuelle Engagement und die gezeigten Kompetenzen von jungen Menschen in einem Projekt der außerschulischen internationalen Jugendarbeit. Sie tragen damit zu einer größeren Anerkennung nicht-formalen und informellen Lernens bei. Sie werden für Teilnehmer*innen und Teamer*innen von internationalen Begegnungsprojekten in drei unterschiedlichen Stufen ausgestellt: als Teilnahmenachweis, Engagementnachweis und Kompetenznachweis International. Der Kompetenznachweis International (KNI) basiert auf dem vierschrittigen Nachweisverfahren des Kompetenznachweises Kultur der BKJ und wurde speziell auf die Erfordernisse und Bedürfnisse der internationalen Jugendarbeit angepasst.

Der Kompetenznachweis Kultur ist also eine Art Schwester des Kompetenznachweises International?

Man könnte sogar sagen: Der KNK ist die Mutter des KNI. Als der KNK entwickelt worden war, weckte dies auch starkes Interesse im Feld der internationalen Jugendarbeit. Die Grundlagenforschung zum KNK und das vierschrittige Verfahren waren fundiert und überzeugend. Das haben wir entsprechend beibehalten und uns mit der BKJ auf einen gemeinsamen Qualitätsstandard bezüglich der Fortbildungen zum/zur KNK-Berater/in bzw. Qualifizierung zum KNI-Coach verständigt. Dank dieses gemeinsamen Standards können KNK-Berater*innen und KNI-Coachs bei ausreichender Erfahrung im jeweiligen Arbeitsfeld ohne Hürden den jeweils anderen Kompetenznachweis erstellen. Die Grundlagen und Schritte sind die gleichen. Angepasst haben wir allerdings die Arbeitshilfen für die pädagogischen Fachkräfte. Anstatt an den Tableaus der Kunstsparten können unsere KNI-Coachs sich an zwei Kompetenzsystematiken orientieren, einmal für Teilnehmende an internationalen Begegnungen und einmal für Teamer*innen von internationalen Begegnungen. Um der besonderen Lernerfahrung durch grenzüberschreitende Mobilität Rechnung zu tragen und dies auch im Kompetenznachweis International zum Ausdruck zu bringen, haben wir die Systematisierung der Kompetenzen des KNK von Selbstkompetenzen, Sozialkompetenzen und Methodenkompetenzen um die Interkulturellen Kompetenzen ergänzt. Wichtig war uns, die Bildungsleistungen internationaler Jugendarbeit sichtbar zu machen. Durch gemeinsam vereinbarte einheitliche Nachweise profitiert auch die Außenwirkung der internationalen Jugendarbeit in Deutschland.

Internationales Workcamp, Foto: Oliver Volke/IJABWarum haben Sie sich denn für ein dreistufiges System entschieden?

Nicht zuletzt die Überlegungen zur Außenwirkung der internationalen Jugendarbeit haben dazu geführt, ein dreistufiges Nachweissystem einzuführen, um neben dem an Voraussetzungen gebundenen Kompetenznachweisverfahren einen niedrigschwelligen Zugang für eine breite Trägerlandschaft zu ermöglichen. Dies ist uns mit dem Teilnahmenachweis International und dem Engagementnachweis International gelungen. Der Teilnahmenachweis International enthält eine Kurzbeschreibung des Projektträgers, eine kurze Erläuterung zum Arbeitsfeld internationale Jugendarbeit sowie eine Beschreibung des Projektes und seiner Bildungsziele. Da er nicht auf personenbezogene Aspekte eingeht, kann er mit wenig Aufwand für eine ganze Teilnehmergruppe ausgestellt werden. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass für Jugendliche die erste Teilnahme an einer internationalen Begegnung oft eine ganz besondere Erfahrung ist, die sie so zuvor noch nicht gemacht haben – und diese führt auch häufig zu weiterem Engagement in und bei internationalen Jugendprojekten. Der Engagementnachweis International enthält alle Informationen des Teilnahmenachweises. Zusätzlich werden hier individuell gezeigtes Engagement sowie aktive Beiträge der oder des Jugendlichen beschrieben. Es gibt ihn in zwei Varianten. Er kann sowohl für ein Projekt ausgestellt werden als auch ein längeres Engagement eines Jugendlichen in mehreren Projekten einer Organisation dokumentieren. So haben Träger der internationalen Jugendarbeit die Möglichkeit, langjährig ehrenamtlich engagierten Teamer*innen einen Nachweis über ihre Zeit in der Organisation, ihre Mitarbeit in Gremien, ihre absolvierten Fortbildungen und ihre Teamer-Tätigkeit beispielsweise in internationalen Workcamps auszustellen. Alle drei Stufen der Nachweise International lassen sich online erstellen und verwalten. Teilnahme- und Engagementnachweise sind auch in englischer und polnischer Sprache verfügbar.

Der KNK leidet unter prekärer Finanzierung. Wie ist das bei den Nachweisen International? Wie sind diese organisatorisch verankert und finanziert?

Die Entwicklung und Implementierung der Nachweise International wurde lange Zeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt. Die Geschäftsstelle der Nachweise International ist bei IJAB angesiedelt. Ziel in den vergangenen Jahren war die Verankerung des Nachweissystems in der Trägerlandschaft und damit einhergehend eine zunehmende Reduzierung der Betreuung durch IJAB. Die internationale Jugendarbeit ist anders als die Kulturelle Bildung organisiert. Servicestellen auf Länderebene gibt es bei uns nicht. Eine Verankerung der regulären Aufgaben wie Qualitätssicherung, Öffentlichkeitsarbeit und Betreuung der Online-Erstellung und Website blieben daher bei IJAB als bundeszentrale Stelle. Um die Qualifizierungen zum KNI-Coach auch ohne finanzielle Förderung fortsetzen zu können und in die Breite zu tragen, haben wir daher intensiv mit großen bundesweit agierenden Trägern wie beispielsweise Kolping Jugendgemeinschaftsdienste und IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) zusammengearbeitet und das Personal entsprechend geschult. Nun können aus den Organisationen heraus KNI-Coachs ausgebildet werden, für die Vernetzung und zur Unterstützung steht eine Lernplattform mit E-Learning-Einheiten zur Verfügung. Meist stehen die Qualifizierungen auch außenstehenden Interessierten offen. Prinzipiell ist es sinnvoll, dass das Nachweissystem mehr und mehr auf eigenen Füßen stehen und sich selbst tragen kann. Ähnliche Erfahrungen hat die BKJ ja auch mit dem KNK machen müssen. Natürlich wünschen auch wir uns mehr Ressourcen, um die Nutzer*innen besser betreuen, technische Verbesserungen umsetzen und auch auf neue Kooperationsfelder und Entwicklungen besser eingehen zu können. Gerade die aktuellen bildungspolitischen Debatten um den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) und EU-Validierungsempfehlungen erfordern unser Engagement für die Anerkennung außerschulischer Jugendarbeit.

IKUS Projekt, Foto: Ines Gast/Jugendsozialwerk Nordhausen e. V.In einem Pilotprojekt haben Sie den Kompetenznachweis im „interkulturellen Lernfeld Schule“ erprobt. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Der Kompetenznachweis Interkulturell (KNIK) war im Jahr 2011 ein Pilotversuch im Rahmen des Bundesmodellprojekts IKUS „Interkulturelles Lernfeld Schule – Kooperationsprojekt von Internationaler Jugendarbeit und Schule“. Aufbauend auf der Erfahrung der Nachweise International wurde der Einsatz des Kompetenznachweises im interkulturellen Lernfeld Schule von Tandempartnern aus Jugendarbeit und Schule erprobt. Seit Bestehen des Kompetenznachweises International  gab es den Wunsch, ihn auch im Rahmen von nationalen Projekten mit Teilnehmenden aus verschiedenen Kulturen anzuwenden. Der Bedarf resultiert aus der Vielfalt von nationalen Projekten, die Menschen unterschiedlicher Kulturen vereinen und die Projektteilnehmer*innen damit – über die inhaltliche Arbeit an einem gemeinsamen Thema hinaus – vor ganz spezifische Herausforderungen stellen. Das Projekt IKUS bot die Gelegenheit, in einem überschaubaren Rahmen den Einsatz des KNIK zu testen. Wichtig war uns dabei die Arbeit in Tandems von Lehrpersonal und Pädagog*innen aus der Jugendarbeit, um die stärkenorientierte Haltung, die sich für Lehrende als besondere Herausforderung und zugleich  wirkliche Offenbarung darstellte, adäquat umsetzen zu können. Der Pilotversuch wurde von der Universität Bielefeld mit einer Evaluation begleitet.

IKUS Projekt, Foto: Ines Gast/Jugendsozialwerk Nordhausen e. V.Wie haben die beteiligten Jugendlichen und Lehrkräfte den Impuls aufgenommen?

Der Einsatz des KNIK wirkte sich gleich mehrfach positiv aus. Zum einen veränderte bereits der erste Nachweisschritt sowie die Zusammensetzung der Tandems die Projekte im Zuschnitt von den sonst üblichen Klassenreisen hin zu einer stärker außerschulisch geprägten, gruppenaktivierenden Maßnahme. Dies begeisterte die Schüler*innen, weil die übliche Gruppendynamik der Klasse aufbrach und sie ihre Lehrer*innen vollkommen anders wahrnahmen. Außerdem veränderten die Gespräche über die eigenen Stärken mit den Lehrer*innen die Sicht der Jugendlichen auf sich selbst, stärkten ihre Wahrnehmungsfähigkeit und brachten auch die Lehrenden zu gänzlich neuen Sichtweisen. Vielfach berichteten die Lehrenden mit Erstaunen von einem neuen Blick, den sie auf ihre Schüler*innen gewonnen haben, und unerwarteten Stärken, die sie gerade bei bildungsbenachteiligten Schüler*innen entdeckt haben. Die intensive Beteiligung der Lehrenden am Kompetenznachweisverfahren verdeutlichte ihnen hautnah, was eine gruppenaktivierende außerschulische Herangehensweise ausmacht und wie sie ein breites Kompetenzspektrum bei den Schüler*innen anspricht. Für die Schüler*innen bedeutete die intensive Betreuung und der Coaching-Prozess eine Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und eine Stärkung der Persönlichkeit.

Interview: Christoph Brammertz

Weitere Informationen

Nachweise International

IJAB-Video zu den Nachweisen International



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