INTERNATIONALES INTERESSE AM KOMPETENZNACHWEIS KULTUR >>
Aus dem KNK werden CCR und CCC
Rolf Witte

Die große Herausforderung, Wirkungen nicht-formaler Bildungsangebote sichtbar zu machen, treibt nicht nur die Akteure der Kulturellen Bildung in Deutschland um. Vielmehr sehen sich Organisationen weltweit damit konfrontiert. Kein Wunder, dass immer wieder ausländische Kolleginnen und Kollegen auf den Kompetenznachweis Kultur aufmerksam werden und nachfragen: „Wie funktioniert denn das?“

von Rolf Witte

Seit 2012 im Routledge International Handbook of Creative Learning ein ausführlicher Artikel von Max Fuchs und mir über den „Cultural Competency Record“ (CCR) erschienen ist, stehen die wichtigsten Informationen über den politischen Hintergrund des KNK, sein inhaltliches Konzept und die praktischen Erfahrungen mit seiner Anwendung in englischer Sprache zur Verfügung. Sie sorgen immer wieder für interessierte Anfragen bei der BKJ, da das Konzept in seiner Form tatsächlich einmalig ist.

KNK goes down under

Im Juni 2014 informierte sich der Associate Professor Peter Wright von der Murdoch University, School of Education in Westaustralien in der BKJ-Geschäftsstelle Remscheid und vor Ort bei der CreativWerkstatt Herten über den KNK. Er zeigte sich sehr beeindruckt von der großen Ernsthaftigkeit, mit der die vier Schritte des KNK gemeinsam mit den jungen Teilnehmenden gegangen werden. Ein Angebot, das aus seiner Sicht, aktuell nur sehr wenige Erwachsene bereit sind, Jugendlichen zu machen, von dem sie aber ungemein für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung profitieren können.

Wright interssiert sich für den Kompetenznachweis, weil er in Australien in Kürze einen Forschungsförderungsantrag zum KNK einreichen möchte. Sein Ziel ist, den KNK in englischer Sprache nutzbar zu machen und unter völlig anderen kulturellen Rahmenbedingungen für die künstlerische Arbeit z. B. mit jungen Aborigines zu adaptieren. Für alle Beteiligten wäre es sehr spannend zu erfahren, wie das Konzept eines australischen Cultural Competency Record dann aussehen würde, da pädagogische und didaktische Ansätze rund um den Globus ja (erfreulicherweise) nicht die gleichen sind.

Certificat de Compétences Culture

Auch unsere direkten Nachbarn zeigen bereits seit mehreren Jahren immer wieder Interesse am KNK und seinem Konzept: So haben sich französische Kolleg*innen der nationalen Organisation der Jugend- und Kulturhäuser (CMJCF) bei einer Fachtagung Anfang 2012 in Berlin ausführlich mit Kolleg*innen mehrerer LKJs über den KNK und die Erfahrungen mit seiner Anwendung ausgetauscht. Auch in jugendpolitischen Vorschlägen für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Frankreich wurde das Certificat de Compétences Culture (CCC) als positives Beispiel dargestellt. Regionale Mitgliedsorganisationen der CMJCF haben Vertreter*innen der BKJ bereits mehrmals zur ausführlichen Diskussion darüber nach Frankreich eingeladen.

Aktuell versucht die BKJ, die nötigen Finanzen für ein zweijähriges deutsch-französisches Projekt „Inter-Kulturelle Bildung sichtbar machen!“ zu akquirieren. Im Rahmen dieses Vorhabens soll 2015/16 der KNK für die Arbeit in französischen Jugend- und Kulturhäusern sowie für bilaterale Begegnungsvorhaben nutzbar gemacht werden. Außerdem möchte die BKJ versuchen, von den langjährigen französischen Erfahrungen mit nationalen Anerkennungssystemen und Anerkennungsstellen zu lernen, denn solche sollen in den nächsten Jahren im Zuge europäischer Entwicklungen auch in Deutschland aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang gilt es für die BKJ, ihre Mitglieder und internationalen Partner, die Möglichkeiten und Grenzen von KNK, CCR und CCC klar zu definieren.

Rolf Witte leitet den Bereich Kulturelle Bildung International der BKJ.