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KOMPETENZNACHWEIS KULTUR

Ein Bildungspass für Jugendliche




DER KNK IN DER PRAXIS >>
Thomas Buchenau von der CreativWerkstatt Herten im Interview

© CreativWerkstatt – Jugendkunstschule für HertenIn der CreativWerkstatt Herten ist der Kompetenznachweis Kultur fest im regulären Kursangebot verankert – wer ihn ablegt, bekommt sogar Rabatt. Wie das funktioniert, wie sich die langjährige KNK-Praxis auf Team und Angebot der Jugendkunstschule auswirkt und was die Jugendlichen davon haben, beschreibt der Leiter Thomas Buchenau im Interview.

Wie viele KNKs vergeben Sie in der CreativWerkstatt Herten im Jahr? Wie groß ist der Anteil der KNK-Absolvent*innen unter Ihren Teilnehmer*innen?

Wir machen alle zwei Jahre eine Großveranstaltung, auf der wir 40 bis 50 Kompetenznachweise vergeben. Das ist ein geringer Anteil unserer Teilnehmer*innen, was natürlich mit den Qualitätsstandards des Kompetenznachweises Kultur zusammenhängt. Die Jugendlichen müssen mindestens 50 Stunden machen und die Gespräche und alles andere kosten natürlich Zeit und Geld.

Stichwort Zeit und Geld: Viele Einrichtungen sehen im KNK einen großen zusätzlichen Arbeitsaufwand, den sie nicht immer leisten können. Sie aber haben eine Lösung gefunden, die den KNK gut in den normalen Arbeitsalltag integriert. Wie funktioniert das?

Das beruht auf einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Volksbank Ruhr Mitte, die uns mittlerweile mit jährlich 30.000 Euro fördert und ein großes Augenmerk auf den Kompetenznachweis Kultur legt. Wir hatten bis zum Jahre 2007/2008 eine Projektförderung der Volksbank Ruhr Mitte. Als diese auslief, haben wir den Kompetenznachweis Kultur vorgestellt und dessen Bedeutung für die Übergangssituation Schule/Beruf deutlich gemacht. Die Volksbank Ruhr Mitte ist darauf angesprungen und hat uns ermöglicht, unsere Dozent*innen zu KNK-Berater*innen auszubilden. Außerdem haben wir seitdem die Möglichkeit, unseren Dozent*innen für die Arbeit mit dem Kompetenznachweis etwas extra zu zahlen und neuen Mitarbeiter*innen die Ausbildung zu ermöglichen. Und wer bei uns einen KNK macht, zahlt eine ermäßigte Kursgebühr.

Ohne den Sponsor wäre das in der Form also nicht möglich?

Nein. Dann könnte ich nur noch auf die Dozent*innen zurückgreifen, die ich habe, und die KNK-Verleihungen könnten in dem großen Rahmen nicht mehr stattfinden können. Ich könnte die Kurse dann auch nicht mehr so bezuschussen. Ich weiß zwar, dass es anderswo anders läuft: Da machen die Dozent*innen den KNK im normalen Kursalltag mit, ohne dafür zusätzliches Geld zu bekommen. Mir ist diese Anerkennung allerdings wichtig: einmal die Honorierung der Extra-Arbeit meiner Dozent*innen und dann die großen Veranstaltungen – die sind natürlich auch eine Form der Anerkennung.

© CreativWerkstatt – Jugendkunstschule für Herten

Haben sie einen Tipp für andere Einrichtungen, wie man so einen Partner ansprechen und eine langfristige Kooperation zustande bekommen kann?

Wir haben mit einzelnen kleinen Projekten angefangen, die auf die Bedürfnisse des Sponsors zugeschnitten waren. Auch machen wir viel Pressearbeit und pflegen ein akribisches Berichtswesen. Denn unser Sponsor schätzt, dass wir alles immer sehr professionell dokumentieren. Wir landen dann mit unseren Fotos und Berichten in den diversen Medien der Volksbank. Man darf nicht zu viele Berührungsängste haben, muss auch mal einen Schritt auf den Partner zugehen.

Wie hat sich die Einführung des KNK auf die Zusammenarbeit in Ihrem Team und Ihre Kursangebote ausgewirkt?

Einige Dozent*innen, vor allen Dingen unsere Künstler*innen, waren erst skeptisch und haben gesagt: Das können wir gar nicht in unseren normalen Betriebsablauf einbauen. Aber durch die Praxis haben sie den Nutzen des KNK erkannt – auch den Nutzen, den er für den künstlerischen Prozess hat. Wenn man sich mit den Jugendlichen hinsetzt und reflektiert „Hey, was hast du da eigentlich gemacht?“, werden nicht nur die Schlüsselkompetenzen, die sozialen Kompetenzen in den Vordergrund gerückt, sondern gleichzeitig auch die künstlerischen Prozesse reflektiert. Dieser Austausch trägt auch dazu bei, Veränderungen anzustoßen und so die Qualität der Angebote hochzuhalten.

In Ihrem Einzugsgebiet leben unterschiedliche soziale Schichten, neben Jugendlichen aus eher bildungsbürgerlichen Elternhäusern leben dort auch sozial schwächere. Erreichen Sie auch die sogenannten Bildungsbenachteiligten mit dem KNK?

Ja, aber das liegt gar nicht so sehr am KNK, sondern an unseren Angebotsformen. Neben unseren Kursen und Workshops, für die man sich bei uns anmelden kann, machen wir auch Angebote im Rahmen von freiwilligen Schulprojekten. So erreichen wir auch Jugendliche aus Bildungsschichten, die wir sonst kaum erreichen würden. Wir bieten den Schüler*innen dann natürlich an, einen Kompetenznachweis Kultur zu machen.

Was löst der Dialogprozess des KNK denn gerade bei den Jugendlichen aus, die besonders wenig über ihre bereits vorhandenen oder neu erworbenen Kompetenzen wissen?

Oftmals fangen die Jugendlichen zum ersten Mal an, sich selbst zu beobachten und über sich nachzudenken. Das gilt ganz besonders für die Jüngeren um die 13, 14 Jahre, kommt aber auch bei den Älteren vor, übrigens auch unabhängig von der Bildungsschicht. Wenn ihnen die Dozent*innen aufzeigen: Da und da hast du gute Ansätze, dann sind sie total stolz auf sich und das, was sie gemacht haben. Das ist sehr wichtig, weil sonst oftmals immer nur vermittelt wird: Du kannst nichts, du bist nichts. Das ist der große Vorteil des Kompetenznachweises Kultur gegenüber irgendwelchen anderen Zeugnissen.

Kommt es auch mal vor, dass sich Jugendliche von dem Prozess überfordert fühlen und den KNK abbrechen möchten?

Wenn jemand nicht kooperieren möchte, was selten ist, weil es ja auf freiwilliger Basis läuft, verdonnern wir niemand, den KNK zu Ende zu machen. Die Fähigkeit zu entwickeln, mit Erwachsenen ernsthaft über die eigenen Stärken und Schwächen zu kommunizieren, ist einfach eine Hürde, die erst genommen werden muss. Das dauert manchmal ein bisschen, aber da die Projekte und Angebote über einen längeren Zeitraum laufen und mehrere Angebote hintereinander besucht werden können, haben wir es bis jetzt meistens hingekriegt.

© CreativWerkstatt – Jugendkunstschule für HertenDer Dialogprozess mit schwierigen Jugendlichen ist sicherlich auch für die Fachkräfte eine besondere Herausforderung. Bereitet die KNK-Beraterausbildung darauf ausreichend vor?

Sicherlich könnte man das Angebot an Fortbildung etwa in den Bereichen Gesprächsführung, aktivierende Fragenstellung und diesen ganzen Techniken noch ausweiteten. Allerdings: Wer KNK-Berater/in werden will, sollte natürlich auch ein gewisses Einfühlungsvermögen mitbringen – und die Begabung, mit Kindern und Jugendlichen authentisch zu reden.

Es gibt immer wieder Forderungen, bei der KNK-Fortbildung die Ansprüche ein bisschen herunterzuschrauben oder das Vergabeverfahren etwas zu verkürzen. Wie stehen Sie zu solchen Vorschlägen?

Die Fortbildung ist eigentlich schon kurz. Ich bin von Hause aus Sozial- und Theaterpädagoge – Gesprächsführung etc., das kenn ich alles. Aber für Leute, für die das neu ist, ist die Ausbildung absolut ok. Zwei Wochenenden für eine Fortbildung sind ja nun wirklich nicht viel. Über eine Verkürzung oder sagen wir besser Flexibilisierung des Vergabeprozesses könnte man nachdenken. Manchmal braucht man die vorgeschriebenen 50 Stunden, um eine Entwicklung feststellen zu können. Aber bei manchen Jugendlichen weiß ich, wenn ich montags mit ihnen angefangen habe zu arbeiten, freitags schon eine Menge über deren Stärken. Klar, die Mindeststundenzahl soll den Qualitätsstandard sichern. Ob es immer die 50 Stunden sein müssen, kann man diskutieren.

Ist es ein Motiv für die Teilnahme, am Ende ein Zertifikat in Händen zu halten, das man im Berufsfindungs- und Bewerbungsprozess nutzen kann?

Ab und zu melden sich Leute an, weil sie das KNK-Zeichen im Programmheft gesehen haben. Aber der Großteil kommt wegen unseres künstlerischen Angebots zu uns. Wir bieten den Jugendlichen dann an, den Kompetenznachweis Kultur zu machen, was viele gerne annehmen. Dabei geht es ihnen aber nicht so sehr darum, arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten zu erwerben. Vielmehr haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kinder und Jugendlichen stolz darauf sind, wenn sie lernen, sich selbst zu beobachten, und mehr über sich selbst erfahren. Das steht stärker im Vordergrund, als nachher ein Zertifikat für den Arbeitsmarkt in den Händen zu halten. 14 oder 15-Jährige starten ja auch noch nicht sofort auf den Arbeitsmarkt – es sei denn es geht mal um eine Praktikumsbewerbung. In erster Linie ist es in dem Alter wichtig, einen schriftlichen Nachweis zu haben über das, was man kann. Wir kriegen super Rückmeldungen von den Jugendlichen, weil sie eben Sachen über sich erfahren, die sie sonst nicht erfahren hätten.

Wenn sie sich etwas wünschen dürften, was sollte beim KNK anders werden?

Die Infrastruktur dahinter könnte etwas Unterstützung vertragen. Hier in NRW ist das, soweit ich weiß, nur eine Person, die das alles ehrenamtlich macht. Inhaltlich sehe ich aber keinen großen Änderungsbedarf. Der Kompetenznachweis Kultur gibt ja nur eine Anleitung, wie man es machen kann. Das heißt nicht, dass man nicht auch mal nach rechts und links schaut und auch mal mit anderen Methoden arbeitet. Dass man diese Freiheit hat, finde ich gut und das sollte auf jeden Fall so bleiben.

Interview: Christoph Brammertz

Weitere Informationen

CreativWerkstatt Herten



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