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KOMPETENZNACHWEIS KULTUR

Ein Bildungspass für Jugendliche




DER KOMPETENZNACHWEIS KULTUR IN DER SCHULE >>
Möglichkeiten eines veränderten Umgangs mit Leistung
Brigitte Schorn © Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW

Wer die Lernkultur an Schulen verändern und Schülerinnen und Schülern mehr Selbstverantwortung und Partizipation ermöglichen will, muss die traditionellen Formen der Leistungsbewertung überdenken und nach Alternativen suchen. Der Beitrag geht der Frage nach, unter welchen Bedingungen der KNK ein solche Alternative sein kann.

von Brigitte Schorn

Leistung erbracht, sehr gut, 1, 14 Punkte

Das schulische Notensystem ist uns vertraut, in Zahlen und Punkten wird eine Leistung von Schülerinnen und Schülern gespiegelt. Die Note ordnet ein, macht vergleichbar, ist für Dritte nachvollziehbar. In der Regel steht am Ende einer schulisch erbrachten Lernleistung immer eine Note – von bislang wenigen Ausnahmen abgesehen.

Außerhalb der Schule, im non-formalen Bereich von Bildung, gibt es keine Noten. Jugendkunstschulen, Musikschulen, Theaterwerkstätten, Tanzcompagnien usw., deren künstlerische Angebote von Jugendlichen freiwillig und außerhalb des formalen Bildungsbereichs wahrgenommen werden, sind von diesem vergleichenden, leistungsbezogenen Blick auf das Lernen befreit. Aber, dass sich in diesem Rahmen wichtige Lernprozesse abspielen, dass Jugendliche sich hier bilden, personale und soziale Kompetenzen entwickeln und künstlerische Fertigkeiten erwerben, ist unumstritten. Diese Bildungswirkungen wurden jedoch selten sichtbar gemacht und somit nicht wertgeschätzt.

Pisaschock als Impuls für außerschulische kulturelle Jugendbildung

Als nach dem Pisaschock im Jahr 2000 alle Bildungsbereiche kritisch in den Blick genommen wurden, machte die Kritik auch vor dem non-formalen Bereich nicht halt. „Wer nicht nachweisen kann, dass er wirksam zur Bildung von Kindern und Jugendlichen beiträgt, der wird in Zukunft keine Förderung erhalten“ – so tönte es aus dem Bundesbildungsministerium. Der non-formale Sektor selbst befürchtete, dass unter dem Eindruck der „Pisa-Ergebnisse“ die außerschulische kulturelle Jugendbildung ins Abseits gedrängt würde.

BKJ antwortet mit Kompetenznachweis Kultur

Vor diesem Hintergrund entwickelte die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung den „Kompetenznachweis Kultur“ einen Bildungspass für Jugendliche. Ziel war es, erstens, die Bildungswirkungen kultureller Bildungsangebote sichtbar zu machen, zweitens, den Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, sich über die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zu werden und drittens, diese in Form eines schriftlichen Nachweises anzuerkennen.

Mittlerweile ist dieser Bildungspass bundesweit verbreitet und wird in vielen Einrichtungen der Kulturellen Bildung angeboten. Der Kompetenznachweis Kultur entsteht in einem partizipativen Prozess, in dem Fremd- und Selbstbeobachtung, Reflexion und Dialog die grundlegenden Prinzipien sind. Jeder Kompetenznachweis Kultur ist individuell für und mit dem einzelnen Jugendlichen verfasst.

Interesse von Schulen an KNK wächst

Eigentlich für den außerschulischen Bildungsbereich entwickelt, zeigen immer mehr Schulen Interesse am Kompetenznachweis Kultur. Es wächst die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer, die sich für die Anwendung des Kompetenznachweises Kultur qualifizieren. Sie sind begeistert von dem dialogischen Verfahren, dem genauen, individuellen Wahrnehmen der Schülerinnen und Schüler und der konsequenten Stärkenorientierung. Die Schülerinnen und Schüler, die zu einer bewussten Auseinandersetzung mit den persönlichen Kompetenzen aufgefordert sind, erleben eine oft nicht gekannte Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Anerkennung.

Notwendige Voraussetzung für die Einführung des Kompetenznachweises Kultur in nicht benoteten Arbeitsgruppen, in so genannten Zertifikatskursen oder im unbenoteten Wahlpflichtbereich, ist die Teilnahme der Lehrkräfte an einer entsprechenden Fortbildung. Diese Fortbildung ist ein Instrument, mit dem die verantwortungsvolle Handhabung des Kompetenznachweises erlernt und (in einer Praxisphase) erprobt wird. Denn: die Anerkennung von Kompetenzen stellt eine neue Dimension im Berufsalltag der Lehrerinnen und Lehrer dar. Zwar baut das Verfahren zum Kompetenznachweis Kultur auf pädagogischem Grundwissen auf, stellt aber Beobachtung und Dialog in einen neuen Kontext und belegt sie mit einer neuen Zieldimension. Die Fortbildung dient zudem der Qualitätssicherung für den Kompetenznachweis Kultur.

Die bislang in Schulen gemachten Erfahrungen mit dem Kompetenznachweis Kultur sind die Erfahrungen einzelner Lehrerinnen und Lehrer, die bei ihren Schülerinnen und Schülern Handlungsvermögen und Kompetenzen entdeckt haben, die das Notenzeugnis nicht spiegelt. Sie nutzen den Kompetenznachweis Kultur als ein wirkungsvolles Instrument für die Förderung von Selbstexploration und Kompetenzentwicklung, für eine größere Stärkenorientierung und Anerkennungskultur in der Schule. Noch fehlt es an vielen Schulen allerdings an verbindlichen Handlungsspielräumen für die Umsetzung des Kompetenznachweises Kultur in den kulturell-künstlerischen Kontexten. Somit verbleiben die positiven Versuche einzelne Aktionen, die sich strukturell nicht durchsetzen.

Auf dem Weg zum kulturellen Schulprofil

Schulen auf dem Weg zu einem kulturellen Schulprofil werden das Konzept von Partizipation, Selbstverantwortung, Kreativität, sowie neuen Formen des Lernens und Lehrens nicht wirklich umsetzen, wenn sie keinen veränderten Umgang mit den Schülerleistungen realisieren. Lernkultur und Leistungsbeurteilung bedingen sich wechselseitig. „Alle Versuche, eine neue Lernkultur an Schulen zu etablieren, werden daher an Grenzen stoßen, wenn nicht auch das System der Prüfung und Beurteilung der Schülerleistungen reformiert wird.“ (Winter 2011: 313) „Wirksam im Sinne einer neuen Lernkultur dürften aber solche Formen der Leistungsbewertung sein, wo Menschen sich direkt begegnen, sich wahrnehmen, sich Rückmeldungen geben und sich unterstützen können.“ (Winter 2011: 314)

Diese Bedingungen erfüllt der Kompetenznachweis Kultur. Die Anwendung in Schulen erfordert viel von den Schulkollegien und ihren Partnern aus den Kultureinrichtungen. Wie die Umsetzung genau aussehen kann, muss noch weiter diskutiert und erprobt werden. In einer solchen Reformarbeit stecken große Anforderungen an die Schulen. Wenn diese aber lernen, die neuen Formen der Kompetenznachweise richtig zu handhaben, wird ihre Arbeit vermutlich mehr Freude machen, weil der Kompetenznachweis Kultur ein Instrument ist, das es erlaubt, sich offen und kooperativ am Wachstum der Schülerinnen und Schüler zu beteiligen. „An einem Wachstum in eine Zukunft, von der man ehrlicherweise sagen muss, dass sie kaum vorhergesehen werden kann, und die auch durch Lehrpläne und Prüfungskataloge nicht zu beschreiben ist.“ (Winter 2011: 315)

Brigitte Schorn ist Sozial- und Kulturpädagogin und hat den Kompetenznachweis Kultur mitentwickelt. Heute leitet sie die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“ und engagiert sich als Fortbildungsbeauftragte für den Kompetenznachweis Kultur. Sie hat einen Lehrauftrag an der Universität Hildesheim und zahlreiche Publikationen zum Thema „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit“ veröffentlicht.

Literatur

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (Hrsg.) (2007): Stärken sichtbar machen. Der Kompetenznachweis Kultur in der Praxis. 21 Projektbeispiele. Remscheid: Schriftenreihe der BKJ.

Schorn, Brigitte (2007): Ein Überblick: Der Weg zum Kompetenznachweis Kultur. In: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (Hrsg.) (2007): Praxisleitfaden Kompetenznachweis Kultur. Remscheid: Schriftenreihe der BKJ.

Timmerberg, Vera/Schorn, Brigitte (2009) (Hrsg.): Neue Wege der Anerkennung von Kompetenzen in der Kulturellen Bildung. Der Kompetenznachweis Kultur in Theorie und Praxis. München: kopaed.

Winter, Felix (2011): Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Schülerleistungen. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Hinweis

Einen weiteren ausführlicheren Beitrag der Autorin zum Thema finden Sie im Wissenportal Kulturelle Bildung Online:

Schorn Brigitte (2014): Der Kompetenznachweis Kultur in der Schule: Unterstützung auf dem Weg zu einer veränderten Lernkultur.  



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