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KOMPETENZNACHWEIS KULTUR

Ein Bildungspass für Jugendliche




DER KOMPETENZNACHWEIS KULTUR >>
Bildungswirkungen kultureller Bildung sichtbar machen und anerkennen
© Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW
Brigitte Schorn
© Heike Kandalowski
Vera Timmerberg

Der KNK wird zehn Jahre alt, doch seine Geschichte beginnt drei Jahre zuvor: Seit 2001 haben Brigitte Schorn und Vera Timmerberg im BKJ-Projekt „Schlüsselkompetenzen durch Kulturelle Bildung“ den Kompetenznachweis Kultur mitentwickelt. Wie – und warum – er wurde, was er ist, beschreiben die beiden in diesem Beitrag.

von Brigitte Schorn und Vera Timmerberg

2001 trat die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) mit zahlreichen Vertreter*innen aus Theorie und Praxis an, ein Instrument zu etablieren, welches die künstlerischen, personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen, die kulturelle Bildungsarbeit fördert und fordert, adäquat sichtbar macht und dokumentiert.

Es entstand der Kompetenznachweis Kultur – ein Bildungspass, den Jugendliche erhalten, die sich dafür entschieden haben, ihre Aktivitäten in kultureller Bildungsarbeit näher in den Blick zu nehmen und dokumentieren zu lassen. Der Kompetenznachweis Kultur ist ein Instrument, das sehr behutsam und maßgeschneidert auf die Arbeitsweisen der kulturellen Bildungsarbeit ausgerichtet und in der Lage ist, Selbstbildungsprozesse zu unterstützen oder anzuregen. Die Vorgehensweise ist geprägt von Freiwilligkeit, Dialog und Stärkenorientierung, Selbstbestimmung und Partizipation. Er sensibilisiert Jugendliche für die eigenen Stärken und gleichzeitig trägt er zur Professionalisierung der Arbeitsprozesse in der Kulturellen Bildung bei. Auf besondere Weise wird transparent gemacht, warum kulturelle Bildungsarbeit uneingeschränkt zur umfassenden Bildung junger Menschen dazugehört.

Ausgangspunkt PISA

Hintergrund der Entwicklung des Bildungspasses für die kulturelle Bildungsarbeit war u. a. die öffentliche Debatte über die Konsequenzen, die aus der PISA-Studie zu ziehen sind. So forderte das Bundesjugendkuratorium, die Sachverständigenkommission für den Elften Kinder- und Jugendbericht sowie die Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe eine Engführung der bildungspolitischen Debatte auf schulpolitische Maßnahmen zu vermeiden und stattdessen ein umfassendes Bildungsverständnis zu entwickeln. Hierfür bedurfte es der Einbeziehung und wechselseitigen Zusammenarbeit aller Bildungsorte (vgl. Bundesjugendkuratorium 2002 und 11. Jugendbericht 2002).

Kann und soll man die Wirkungen Kultureller Bildung bewerten?

Auch unter dem Stichwort „Lebenslanges Lernen“ spielte die Neubewertung des Lernens und im Besonderen die Entwicklung innovativer Formen der Anerkennung nicht-formellen Lernens eine wichtige Rolle. Gefordert wurde z. B. von der EU-Kommission ein umfassendes, neues Konzept zur Bewertung von Lernerfolgen und Leistungen, um Brücken zwischen verschiedenen Lernkontexten und Lernformen zu schlagen und den Zugang zu individuellen Lernwegen zu erleichtern. „Menschen können das Lernen in Schule und Universitäten, in Ausbildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in der Familie nur kombinieren und nutzbringend einsetzen, wenn zuvor alle Lernformen identifiziert, bewertet und anerkannt wurden“ (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001). Die Umsetzung dieses Konzepts vom Lebenslangen Lernen brachte viele Formen der Anerkennung und Zertifizierung von nicht-formellen und informellen Bildungsprozessen hervor. Sie alle sind darauf ausgerichtet, den Einzelnen beim Reflektieren, Erkennen und Einsetzen individueller Kompetenzen zu unterstützen. Sollten diese Beispiele übertragbar sein auf die kulturelle Bildungsarbeit? Wäre es überhaupt sinnvoll, die Wirkungen künstlerischer Angebote sichtbar zu machen? Wäre es sinnvoll, Jugendliche einzubeziehen in einen intensiven Reflexionsprozess über ihre Lernprozesse in Theater-, Tanz-, Film-, Kunst-, Literatur- oder Musikprojekten bzw. -kursen? Wie könnte eine formale Anerkennung in Form eines Dokuments aussehen? Wird durch ein solches Instrument die Kulturelle Bildung bewertet, verwertet und formalisiert? Gefährdet die Anerkennung und Zertifizierung kulturell-künstlerischer Arbeit, nicht das, wodurch sie sich auszeichnet, nämlich auf eine Art zweckfrei zu sein und sich von formalen Bewertungsmaßstäben abzusetzen?

Diesen kritischen Fragen hat sich die BKJ im Verlauf der Entwicklung und Implementierung des Kompetenznachweises Kultur immer wieder gestellt. Aus vielen Diskussionen mit Praktiker*innen der Kulturellen Bildung und Forscher*innen verschiedenster Fachrichtungen entwickelte sich die Überzeugung, dass ein Bildungspass, der sichtbar macht, was Jugendliche in der kulturellen Bildungsarbeit lernen und leisten, den besonderen Qualitäten und Arbeitsprinzipien dieses Praxisfeldes entsprechen muss. Dazu gehören das Prinzip der Freiwilligkeit, das Prinzip der Partizipation, das Prinzip der Stärkenorientierung und das Prinzip der Subjektorientierung. Diesen Leitlinien der außerschulischen kulturellen Kinder- und Jugendbildung hat sich die BKJ bei der Entwicklung des Kompetenznachweises Kultur immer verpflichtet.

Das Netzwerk sichert die Qualität

An die grundständige Entwicklung und Implementierung des Kompetenznachweises Kultur in den Jahren 2001–2004 schloss das Projekt „EVAK – Entwicklung und Evaluation von Anerkennungsformen nicht-formell erworbener Kompetenzen in der Kultur“ an, ebenfalls gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Es evaluierte den vorhandenen Ansatz auf seine quantitative und qualitative Entwicklung hin. Die Evaluation wurde im Auftrag der BKJ vom Deutschen Jugendinstitut und der Universität Eichstätt-Ingolstadt durchgeführt und ausgewertet. Aufbauend auf diese Ergebnisse wurde das gesamte Vergabeverfahren des Kompetenznachweises Kultur überarbeitet und weiterentwickelt.

Parallel dazu wurde das Netzwerk Kompetenznachweis Kultur aufgebaut. Bis heute arbeiten die Servicestellen in den Ländern eng mit den Fortbildungsbeauftragten zusammen, die – von der BKJ autorisiert – Fachkräfte der Kulturellen Bildung für die Anwendung des Kompetenznachweises Kultur qualifizieren. Die Fortbildung ist Teil des Qualitätssicherungssystems, dem der Kompetenznachweis Kultur unterliegt. Zudem ist der etablierte Ansatz auch in Ausbildungsgänge (kultur-)pädagogischer Berufe und in Studiengänge an Universitäten (z. B. Dortmund und Hildesheim) integriert worden.

Nach wie vor ist das Interesse am Kompetenznachweis Kultur groß. Er wird in zahlreichen Einrichtungen und Projekten der Kulturellen Bildung angewendet. Aktuell wird vor allem auch an Schulen, die an einem kulturellen Schwerpunktprofil arbeiten über die Anwendung diskutiert. Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur überprüft man die Möglichkeit, mit dem Kompetenznachweis Kultur einen neuen, partizipativen und stärkenorientierten Umgang mit Leistungen im Kontext kultureller Bildungsangebote.

Brigitte Schorn leitet an der Akademie Remscheid die Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW und ist ehemalige Bildungsreferentin der BKJ.

Vera Timmerberg leitet die Geschäftsstelle des Rektorats der Folkwang Universität der Künste Essen und ist ehemalige Bildungsreferentin der BKJ.

Literatur

Bundesjugendkuratorium (2002): Bildung ist mehr als Schule. Leipziger Thesen zur aktuellen bildungspolitischen Debatte. Bonn

Bundesjugendkuratorium/Sachverständigenkommission für den Elften Kinder- und Jugendbericht/Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe (2002): Bildung ist mehr als Schule. Leipziger Thesen zur aktuellen bildungspolitischen Debatte. Bonn/Berlin/Leipzig.

Europäische Kommission: Mitteilungen der Kommission. Einen europäischen Rahmen des lebenslangen Lernens schaffen, Brüssel (21.11.2001): http://www.bibb.de/redaktion/fachkongress2002/cdrom/PDF/03_P_01.pdf, S. 8.

Timmerberg, Vera/Schorn, Brigitte (2009) (Hrsg.): Neue Wege der Anerkennung von Kompetenzen in der Kulturellen Bildung. Der Kompetenznachweis Kultur in Theorie und Praxis. München.



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